Mein Beruf als Hauswirtschaftsleiterin mit Schwerpunkt Ernährung hat mich immer begeistert. Doch als ich mich nach einer Zusatzausbildung auf Kinderernährung spezialisierte und die Zwergenkombüse gründete, wusste ich noch nicht, welch spannenden Bereich ich da für mich entdecken würde.

Durch eine ehrenamtlich durchgeführte Weihnachtsbäckerei in einer Schule entstand der erste Kontakt mit Schülern in einer Schulküche. Dabei stellte ich fest, dass viele Kinder von zuhause nur Fertiggerichte und Fast Food kennen und keinen Bezug mehr zu naturbelassenen Lebensmitteln und zur Nahrungszubereitung haben. Meine Idee, den Schülern eine gesunde Ernährung theoretisch und praktisch näher zu bringen, unterstützte der damalige Rektor und im Februar 2013 durfte ich die erste „Koch-AG“ durchführen! Während der Praxis merkte ich, dass Kinder zwar kritische Esser sind, aber auch sehr neugierig. Wenn sie beim Kochen selbst aktiv sind, wird ihr Interesse am gesunden Essen schnell geweckt. Deshalb versuche ich, mit kreativen Ideen Einfluss auf die teilweise ungesunden Essgewohnheiten der Schüler zu nehmen.

Mit großer Begeisterung führe ich nun an verschiedenen Schulen regelmäßig Kochkurse durch. Kinder sind immer ehrlich und ich merke an ihren Reaktionen und ihrer Aufmerksamkeit, ob ich auf dem richtigen Weg bin. Für meine zweistündigen Kurse gibt es jeweils ein bestimmtes Motto, wie „Beerenküche“ oder „Suppen-Kasper“. Ich beginne mit einer kurzen, theoretischen Einführung und anschließend geht es in die Küche, wo die Schüler mit viel Spaß und Freude zusammen schnippeln, rühren, kochen, braten und backen. Ist alles fertig zubereitet, wird in der Gruppe gegessen. Dabei achte ich auf die Einhaltung von Verhaltens- und Kommunikationsregeln und auf die sogenannte Esskultur, wie zum Beispiel das richtige Tischdecken und einfache Benimmregeln. Nach dem gemeinsamen Aufräumen der Küche erhalten die Schüler die Rezepte und verschiedene Arbeitsblätter über die verwendeten Nahrungsmittel in einer kleinen Sammelmappe. Die Kinder sind in der Regel hoch motiviert, zuhause alles auszuprobieren. Meistens lassen sich die Eltern von der Begeisterung anstecken und die Gerichte werden gemeinsam nachgekocht. Das berichten mir die Schüler dann ganz stolz und mein Ziel, eine gesunde Ernährung auch in die Familien zu bringen, ist erreicht.

Hinter dem Kochen mit Kindern verbirgt sich allerdings noch viel mehr!

 

Ernährungsbildung durch die Praxis in der Schulküche

 

Was lernen Kinder im Umgang mit Lebensmitteln?

Motorische Fähigkeiten zum Beispiel beim Reiben und Schneiden

Sinnestraining: Wie riechen und schmecken Lebensmittel? Wie hören und fühlen sie sich an?

Sprachentwicklung: Wortschatzerweiterung durch das Benennen von Lebensmitteln und ihren Zubereitungsmethoden

Sozialverhalten beim Kochen und Essen in der Gruppe

Wertschätzung von Lebensmitteln

Themen aus dem Bildungsbereich der Mathematik und der Naturwissenschaft (Wiegen, Messen, physikalische Vorgänge…) werden angesprochen

Förderung der Selbstständigkeit

Meine Aufgabe als Kursleiterin:

Kinder zum selbstständigen Handeln motivieren und Verantwortung übertragen.

Kompetenzen über aktives „Tun“ fördern. Wichtig: Ressourcenarbeit stärkt!

Selbstvertrauen aufbauen.

Entwicklung

Kinder…

…entwickeln ein gesundes Essverhalten.

…nehmen Hunger und Sättigung wahr.

…erfahren Esskultur und Genuss.

…gewöhnen sich an nährstoffreiche Lebensmittel.

…lernen kulturspezifische Essgewohnheiten kennen.

…erlangen Kenntnisse über die Herkunft der Lebensmittel.

Habe ich Sie als Eltern überzeugt?

Klären Sie ab, welchen Stellenwert die Ernährungsbildung an der Schule Ihrer Kinder hat. Machen Sie mobil und fordern Sie „gesundes Kochen“ in Form einer Arbeitsgemeinschaft (AG) oder eines Projekts ein. Sorgen Sie dafür, dass das Thema „Essen und Trinken“ in den Bildungs- und Erziehungsprozess integriert wird. Holen Sie sich eventuell Unterstützung. Gerne auch bei mir.

 

Gesundes Kochen in der Schule wünscht sich
Sabine Timmermann

Juli 2017

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