Kinder, die zu kalorienreich essen und trinken und sich zu wenig bewegen, werden trotz des Wachstums übergewichtig. Ebenfalls eine Rolle spielt die erbliche Veranlagung. Ob diese zum Tragen kommt, hängt natürlich entscheidend vom Lebensstil der gesamten Familie ab. Kinder übernehmen automatisch den Lebensstil der Eltern. Deshalb setzt sich Übergewicht in Familien oft fort. Solange das Kind wächst, hat es noch gute Möglichkeiten, überflüssige Pfunde loszuwerden –wenn die ganze Familie mithilft! Machen Sie es zum Familienprojekt!

Zur Motivation für Sie als Eltern: Denken Sie immer daran, dass Fett und Trägheit die jungen Körper alt macht und anfällig für Erwachsenengebrechen! Übergewicht fördert Krankheiten am Herzen, Krebs im Darm, Steine in der Galle, Fett in der Leber, Schäden an den Gelenken. Der jüngste Patient mit Diabetes mellitus, Typ 2 (Altersdiabetes!), lebt in Deutschland und ist fünf Jahre alt.

Aber nicht nur der Körper leidet, sondern auch die Seele!

Wie nun kann die Familie einem übergewichtigen Kind beim Abnehmen helfen?

Ernährung:

Ist eins Ihrer Kinder übergewichtig, sollte der Speiseplan der gesamten Familie umgestellt werden. Erfolgsversprechend und gesund ist eine langsame, gleichmäßige Gewichtsabnahme mit ausgewogener Ernährung. Wenn Kinder abnehmen müssen, dann geht es nur, wenn der Spaß am Essen bleibt und das Hungergefühl immer gestillt werden kann. Viele Familien müssen erst einmal „Essen lernen“. Eine gemeinsame Familienmahlzeit am Tag ist dabei hilfreich.

Essen zum Abnehmen muss nicht nur lecker aussehen, es muss Ihrem Kind auch lecker schmecken. Begeistern Sie Ihr Kind für Obst und Gemüse, dann lässt sich das Gewicht langsam und dauerhaft senken. Entwickeln Sie kreative Zubereitungsarten. Und überzeugen Sie Ihr Kind auch dadurch, dass es bei der Planung und Zubereitung mit einbezogen wird. Ein vierjähriges Kind kann unter Ihrer Aufsicht selbständig Obst und Gemüse schneiden. Ich habe es oft bei meiner Arbeit im Familienzentrum erlebt.

Achten Sie auf die Vorlieben und Wünsche Ihres Kindes. Bringen Sie ruhig das Lieblingsgericht ab und zu auf den Tisch; vielleicht als kleinere Portion? Nehmen Sie kleine Teller, dann fällt es Ihrem Kind nicht auf, dass es weniger bekommt. Wenn Sie Wunschgerichte zubereiten, denken Sie beim Kochen an weniger Fett und Zucker und servieren Sie kalorienarme und sättigende Beilagen dazu. Erhöhen Sie den Gemüseanteil. Oder wandeln Sie es leicht ab. Spaghetti Bolognese mit magerem Beefsteak-Hack, frischen Tomaten, Möhrenwürfeln und Dinkelnudeln ist eine gesunde Alternative.

Welche Produkte schlummern in Ihren Vorratsschränken? Entfernen Sie alle Dickmacher und Ihr Kind kommt nicht in Versuchung. Wählen Sie beim Einkauf leichte Fitmacher (Gurke, Apfel…) statt energiereicher Fettmacher (Würstchen, Kuchen…). Und Achtung; „Leicht“ oder „Light“ heißt nicht unbedingt kalorienarm. Fett wird dann zum Beispiel durch Zugabe von Zucker ersetzt. Lesen Sie die Angaben auf der Verpackung. Setzen Sie sich intensiv mit den Nahrungsmitteln auseinander. Meiden Sie Fertigprodukte. Sie enthalten in der Regel viel Zucker und Fett. Kaufen Sie die Lebensmittel für Ihre Familie möglichst im Naturzustand. Selbst kochen ist immer die bessere Variante. Sie können kontrollieren, was und wie viel Sie davon verarbeiten. Keine Zeit zum Kochen? Vielleicht finden Sie ein schmackhaftes Gericht, welches Sie am nächsten Tag -etwas abgewandelt- nochmals anbieten können. Übrigens, aus gefrorenen Erbsen oder Brokkoli lässt sich schnell eine pürierte Suppe kochen; aber bitte ohne Zusätze wie Butter oder Sahne.

Ernährungs-Experten empfehlen regelmäßige Mahlzeiten, am besten drei große Haupt- und zwei Zwischenmahlzeiten. Die leichten Zwischenmahlzeiten am Vor- bzw. Nachmittag -zum Beispiel Joghurt mit frischen Früchten oder Knäckebrot mit Kräuterquark- sorgen dafür, dass weniger Heißhunger entsteht. Essen Sie langsam. Nur wer langsam isst, spürt, wann er satt ist. Spielen Sie mit Ihrem Kind das Spiel „Wer am längsten kaut, hat gewonnen“. Das Sättigungsgefühl tritt in der Regel nach 20 Minuten ein. Nutzen Sie es.

Bieten Sie Ihrem Kind zwischendurch viel zu trinken an; möglichst Wasser oder ungesüßten Tee. Reichliches Trinken hilft den Hunger zu vertreiben.

Tipp: Stellen Sie das Erlaubte in den Vordergrund nicht das Verbotene!

Bewegung:

„Sitzen statt flitzen“, so leben viele Kinder heute. Ändern Sie das gemeinsam als Familie. Diese Kinder müssen erst einmal lernen, sich im Alltag aktiver zu verhalten; Beispiel: Treppe statt Aufzug benutzen. Machen Sie mit! Bringen Sie mehr Bewegung in den Alltag.

Was halten Sie von einem Familien-Wettlauf am Strand? Das verbraucht eine Menge Kalorien und bringt der ganzen Familie viel Spaß. Lassen Sie sich bewegungsintensive Spiele einfallen. Das tut der ganzen Familie gut.

Bei Kindern -und überraschenderweise gerade bei den übergewichtigen- ist die Bewegungsfreude noch ungebremst. Wenn Sie Ihrem Kind eine Sportart anbieten, macht es in der Regel begeistert mit, ohne erst nachzudenken, wie es dabei aussieht. Nutzen Sie das. Lassen Sie später Ihr Kind die Sportart auswählen. Nur mit viel Spaß ist es motiviert und bleibt dabei.

Psyche:

Eine besonders wichtige Voraussetzung für das Gelingen von Maßnahmen zur Gewichtsreduktion im Kindesalter ist ein hohes Maß an psychischer Unterstützung, also Lob und Motivierung durch die Familie und Freunde. Überflüssige Kilos drücken auf die Seele, denn dicke Kinder werden oft von den anderen gehänselt. Geben Sie Ihrem Kind besonders viel Liebe und Zuwendung. Stärken Sie sein Selbstwertgefühl!

Ist Ihr Kind schon älter, sprechen Sie mit ihm über das Thema „Übergewicht“. Klären Sie es behutsam auf. Bilder und Geschichten können dabei helfen. Machen Sie Gewicht aber nicht zum Dauerthema, das bedeutet für die ganze Familie unnötigen Stress und verbreitet schlechte Stimmung. Lassen Sie Ihrem Kind sein eigenes Tempo.

„Entstressen“ Sie den Familienalltag und nehmen Sie sich Zeit für bewusste Entspannung. Unter dem Einfluss von Stresshormonen wächst der Hunger auf Süßes. Lenken Sie Ihr Kind ab, wenn der Hunger kommt. Sicherlich finden Sie ein spannendes Spiel in Ihrem Schrank.

Hilfestellung:

Eltern sollten Erzieher, Lehrer, Bekannte und Verwandte informieren und ihnen erklären, dass alle an einem Strang ziehen müssen, damit das Kind überflüssige Pfunde los wird. „Bitte Obst und Gemüse statt Süßigkeiten“ sollte allen klar gemacht werden. Bestimmt erhalten Sie viel Unterstützung.

Fachwissen und gute Tipps finden Sie in dem Buch „Kinder, lasst die Pfunde purzeln!“ von Eva-Maria Schröder.

Hilfreich ist auch die Homepage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: www.bzga-kinderuebergewicht.de

Lassen Sie sich von einer auf Übergewicht spezialisierten Ernährungsberaterin betreuen.

Wichtig! Ob eine Ernährungsumstellung ausreicht oder -bei Fettleibigkeit- eine Therapie erforderlich ist, sollte der Kinderarzt entscheiden. Selbst verordnete starre Diätpläne sind ungeeignet und gesundheitsschädlich.

Fazit:

Beginnen Sie gezielt und schrittweise mit kleinen Veränderungen. Auf keinen Fall mit Strenge, Ermahnungen oder Strafen, das macht Stress, frustriert das Kind und verdirbt ihm die Freude am Essen und an der Bewegung. Sie als Eltern sind gefordert, mit Kreativität und Ausdauer Ihrem Kind beim erfolgreichen Abnehmen zu helfen. Seien Sie ein gutes Beispiel und machen Sie einen gesunden Lebensstil zur Familiensache!

 

Stressfreies Abnehmen wünscht Ihnen
Sabine Timmermann

Mai 2017

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.